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Bittere Abrechnung
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Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (TOP 500 REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Auslöschung: Ein Zerfall (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch) Zugegeben, man muss sich den Stil Thomas Bernhards anlesen, geradezu erarbeiten. Das ist nicht jedermanns Sache. Wer sich jedoch dieser literarischen Herausforderung stellt und wer die Literatur Bernhards zu mögen lernt, wird belohnt wie bei wenigen zeitgenössischen Autoren.
Mit dem Roman „Auslöschung" findet das prosaische Werk Bernhards ein grandioses Ende. Bernhard rechnet ein letztes Mal mit Österreich ab, mit dem Deutschtum, mit dem Katholizismus und nicht zuletzt und vor allem mit dem Nationalsozialismus.
Sein Stil, geprägt durch endlose Wiederholungen, durch Übertreibungen und ein Schreiben ohne jede optische Unterbrechung, im gesamten Buch gibt es lediglich einen Absatz zwischen dem ersten und dem zweiten Teil, erzeugt einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte und wollte. Es ist vorstellbar, dass nur ein Mensch eine solche Verachtung, einen solchen Radikalismus entwickeln kann, der selbst in Jugend und Kindheit gelitten hat.
„Auslöschung" empfehle ich sehr, jedoch halte ich für den Bernhard-unkundigen Leser zuerst die kürzere Abrechnung mit der Kulturszene Österreichs, „Holzfällen" für den besseren Einstieg. Der Einstieg mit der „Auslöschung" bürge die Gefahr, beim Lesen zu scheitern. Und das wäre schade, jammerschade.
„Auslöschung" gehört fortan zu den von mir am meisten geachteten Werken der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 3. Juli 2005 |